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Seltene Künstlerzeitschriften der DDR ersteigert

Die Sammlung originalgrafischer Künstlerzeitschriften der DDR und Wendezeit in der SLUB ist seit kurzem um einige interessante Stücke reicher. Bei der Sonderauktion "25 Jahre Mauerfall" des Berliner Auktionshauses Jeschke van Vliet konnten die letzte noch im Bestand fehlende Ausgabe des Mail-Art-Projekts UNI/vers(;) sowie vier Bodensatzbücher von Wolfgang Henne ersteigert werden.

 

 

Die Sammelmappen von UNI/vers(;)Visual and Experimental poetry portfolio, in Halle herausgegeben von dem chilenisch-deutschen Künstler Guillermo Deisler (1940-1995), enthalten Originalgrafiken vieler internationaler Künstler. Der Neuzugang Ausgabe Nr. 8 (1990) enthält vor allem Collagen, z. B. von G. & A. Wendelberger, J. Kowalski, U. Tarlatt, G. Deisler, B. Capatti, R. Vitale oder S. Nishumura.

 

Wolfgang Hennes Bodensatzbücher sind geprägt durch Serigraphien, Farblitografien und Linolschnitte. Ergänzt werden sie durch Seiten aus gemustertem Geschenkpapier und Collagen, z. B. unter Verwendung von Formularen oder Alltagsobjekten. Meist ist lediglich eine handschriftliche Textseite pro Heftedition enthalten, die collagiert und überzeichnet sein kann. Das neu erworbene Bodensatzbuch VIII enthält u. a. Fotodokumente einer Aktion, die Henne kurz vor Eröffnung der X. Kunstausstellung der DDR vor dem Dresdner Albertinum gemeinsam mit Michael Kunert durchführte.

 

Wolfgang Henne: Bodensatzbuch VII, Februar 1988, Ex. Nr. 13 von 25, Serigrafie

 

Seit den frühen 1980er Jahren entstanden solche Kleinzeitschriften in der DDR, vor allem in Dresden, Berlin und Leipzig. Schriftsteller, Maler und Graphiker, die den starren Forderungen der sozialistischen Kulturpolitik nicht mehr zu folgen bereit und aus der offiziellen Kulturförderung ausgeschlossen waren, schufen sich mit diesen originalgraphischen Heften Kommunikationsplattformen, über die sie Kontakte zu Gleichgesinnten pflegen und experimentelle Formen kreativer Zusammenarbeit aufbauen konnten. Bemerkenswert daran ist: Diese subversiven Künstlernetzwerke ähneln unseren heutigen sprichwörtlich "sozialen Netzwerken" in mancherlei Hinsicht. Sie arbeiteten kollaborativ und prozessorientiert – auch ohne Internet und Digitalisierung. In der DDR waren diese Aktivitäten jenseits des offiziellen Kulturbetriebs politisch nicht erwünscht und erforderten Risikobereitschaft. Einige mitwirkenden Künstler wurden inhaftiert oder ausgewiesen.

 

Die SLUB wird im Rahmen des DFG-geförderten Fachinformationsdienstes Kunst in den kommenden zwei Jahren neben den schon in arthistoricum.net digital erschlossenen Künstlerzeitschriften weitere originalgrafische, im Eigenverlag herausgegeben Materialien zur DDR-Kunst für die Forschung verfügbar machen. Durch ihre niedrige Auflagenhöhe besitzen sie heute einen außergewöhnlichen Seltenheitswert.

1 Kommentar(e)

  • Valeria Deisler
    26.03.2015 01:42
    UNI/vers

    Liebe Kunstsammler,

    es gibt noch einige wenige Exemplare von UNI/ vers bei mir. Bei Interesse an wenden Sie sich per E-Mail an mich.
    beste Grüße

    Valeria Deisler

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