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Online-Ausstellung "Zusammen-Schrauben": Ein Citizen Science Projekt zur Kultur des Reparierens

Selbermachen in einer „Wegwerfgesellschaft“: Warum überhaupt und was macht das mit uns? In dem Projekt, das wir heute vorstellen, wird die Kultur des Reparierens gleichzeitig gelebt und erforscht.

Eigentlich sollte in diesen Tagen die Wanderausstellung des Citizen Science Projekts Repara/kul/tur, "Zusammen-Schrauben", zum ersten Mal nach Dresden kommen. Aus bekannten Gründen müssen wir die Ankunft im Ausstellungsbereich des SLUB Makerspace erst einmal verschieben. Wir haben aber Glück! Es gibt neben dem Original auch eine virtuelle Version. Interessierte können sich jetzt schon durch die Online-Ausstellung klicken.

Den Pfannengriff anschrauben, die Schuhsohle ankleben - kleinere Reparaturen hat jede*r schon gemacht. In einer Gesellschaft, in der man Neues schnell und einfach besorgen kann, ist das doch nicht mehr notwendig? Trotzdem schrauben Menschen auch heute noch an ihren Gegenständen. Und warum? In der Ausstellung "Zusammen-Schrauben" geht es auch um diese Frage. Hobbybastler*innen und Selbermacher*innen teilen hier ihre Erfahrungen. Wie ist ihre Beziehung zum Gegenstand? Verändert sie sich durch Reparieren oder Selbermachen?

Diese Erfahrungen und das praktische Alltagswissen von Bürger*innen sind auch Kern des transdisziplinären Citizen Science Projektes Repara/kul/tur, aus dem die Ausstellung erwachsen ist. Das Projekt ist gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Das Team des Projektes setzt sich aus Mitgliedern der TU Berlin, dem Verbund Offener Werkstätten e.V., dem BUND Berlin und dem Institut für Sozialinnovation, der anstiftung, sowie Bürger*innen aus Repair-Cafés, Makerspaces und Werkstätten zusammen. Gemeinsam erforschten sie das Reparieren und Selbermachen als kulturelle Praxis, entwickelten Forschungsmethoden, erhoben Daten und werteten sie aus. Folgenden Fragen gingen sie dabei nach (zitiert aus dem Ziele-Manifest des Projekts Repara/kul/tur):

Wie kommen Menschen dazu, etwas zu reparieren oder selber zu machen, und wie werden diese Aktivitäten in den Alltag integriert (oder nicht)? In welcher Verbindung stehen sie zu anderen Alltagsroutinen? Wie verändert sich das Verhältnis zu Konsumgütern und Herstellungsprozessen durch das Ausprobieren und Erlernen von Reparieren und Selbermachen? Welche sozialen, materiellen und politischen Ideen werden produziert und in Frage gestellt (oder nicht)? Wie können sich Reparieren und Selbermachen gesellschaftlich verbreiten? Wie können diese Praktiken Teil des Alltags werden?

Die Ausstellung Zusammen-Schrauben fasst die Ergebnisse dieser Forschung in interaktiven Formaten zusammen. So trägt sie die gewonnenen Erkenntnisse an ein breites Publikum weiter. 

An Orten des Selbermachens gemeinsam lernen

Das Projekt Repara/kul/tur thematisiert auch die Rolle, die Orte des Selbermachens spielen. An diesen Orten kommen Menschen zusammen, die reparieren und machen, sich austauschen und voneinander lernen. Das spiegelt sich in den Erfahrungen der Hobbybastler*innen und Reparateur*innen wieder. Ehrenamtlich tätige Menschen in offenen Werkstätten, FabLabs und Repair Cafés helfen anderen dabei, ihre Projekte zu realisieren und es entstehen gemeinsame Projekte. Die nötige Überwindung zum Selbermachen wird kleiner und das Wissen größer. Auch im SLUB TextLab und im Makerspace der SLUB verwirklicht sich dieser Gedanke. Hier werden Menschen aktiv, tauschen sich aus und entwickeln neue Ideen - getreu dem Makerspace-Motto "Wissen kommt von Machen".

Dieses Macher-Prinzip zeigt sich auch im Citizen Science Ansatz, der im Forschungsprojekt Repara/kul/tur verfolgt wird. Bürgerwissenschaften, oder Citizen Science, bedeutet, dass Bürger*innen jenseits ihrer Ausbildungsschwerpunkte forschen können, sodass Forschung offener wird. Das findet nicht nur in bundesweiten Projekten wie Repara/kul/tur statt, sondern passiert auch an der SLUB Dresden. 

 

Citizen Science an der SLUB

Die SLUB als Bibliothek hat sich der Citizen Science verschrieben. Gemeinsam mit Bürgerwissenschaftler*innen arbeiten Bibliotheksmitarbeiter*innen zum Beispiel in den offenen Datenbanken Wikidata und Wikisource. Hier werden digitalisierte historische Daten kooperativ weiter gepflegt und erschlossen. Eine der Kernaufgaben der Bibliothek wird durch die konsequente Beachtung des Macher-Prinzips eine partizipative Aufgabe von Bürger*innen und Bibliothek. Diese Zusammenarbeit bewirkt beispielsweise eine tiefergehende Erschließung von Metadaten sowie eine Qualitätssicherung durch Datenpflege seitens der Bürgerwissenschaftler*innen. Die SLUB bietet entsprechend die nötige Literatur und Ressourcen für diese Forschung. Auch hier wird so voneinander gelernt.

Wer Interesse an Citizen Science an der SLUB hat und zum Beispiel in Bereichen der Familien- und Heimatforschung oder Landeskunde forschen möchte, kann sich an Martin Munke wenden. 

Citizen Science eröffnet eine Vielfalt an Themen vom Reparieren und Selbermachen bis zur Ahnenforschung. Forschungsprojekte mit Bezug zum SLUB Makerspace könnten eine weitere Möglichkeit für solch eine Zusammenarbeit zwischen Bürgerwissenschaftler*innen und Bibliothek sein. Kommen Sie gerne auf uns zu!

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