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Im Gespräch mit Amanda Lasker-Berlin

Nach pandemiebedingter Pause findet am 01. Juli unsere langersehnte erste öffentliche Veranstaltung fernab von Videostreaming statt: eine Lesung von Amanda Lasker-Berlin im Garten des SLUB TextLab. Wir haben im Vorfeld mit der Autorin gesprochen und einen Einblick in ihre Arbeit erhalten.

Liebe Frau Lasker-Berlin, wir freuen uns, dass Sie Ihren neuen Roman „Iva atmet“ bei uns im SLUB TextLab bei einer Open-Air-Lesung vorstellen werden. Haben Sie schon öfter unter freiem Himmel gelesen?
Ja, ich hatte das Glück schon ein paar Mal draußen lesen zu können. Letztes Jahr gab es eine besonders schöne Lesung in einem Garten in Nürnberg. Gerade in Corona-Zeiten sind Lesungen draußen eine tolle Idee und wirklich sehr atmosphärisch. 
 
Vor Ihrem Regiestudium haben Sie Freie Kunst studiert und sich vor allem mit Malerei und Zeichnung befasst. Welche Rolle spielt Kunst heute in Bezug auf Ihre schriftstellerische Tätigkeit?
In Zeichnungen oder auch in Szene auf der Bühne kann ich Momente erleben und erproben, die ich später in Texte verwandle. Für mich sind alle drei Kunstsparten wichtig. Sie ergänzen sich und bereichern sich. Für mich ist es beim Schreiben sehr wichtig klare Situationen herzustellen. Dabei geht es mir viel um Licht und um Schatten, um Temperaturen und Stimmungen. Das sind auch Zeichnungen und Inszenierungen essenziell.

In Ihrem Debütroman „Elijas Lied“ spielen drei Schwestern die Hauptrolle und auch in „Iva atmet“ geht es um Familiengeschichte und –geheimnisse…Wie finden Sie die Themen für Ihre Romane?
Ich arbeite besonders gerne zu Themen, bei denen ich viel recherchieren muss und mich auf neue Themenfelder einlassen kann. Mich inspiriert es, Themen zu finden, die ich erstmal nicht verstehe. Bei „Elijas Lied“ war das die Frage nach gesellschaftlichem Zusammenhalt. Bei „Iva atmet“ stand für mich die Frage im Raum, wie Schweigen Familien zerbrechen kann und ob sich Schuld vererbt. In diesem Schreibprozess war mir wichtig zu erforschen, wie eine junge Generation eine Erinnerungskultur finden kann, die differenziert und faktenbasiert ist und von Schuldgefühlen befreit, ohne zu verdrängen oder die Vergangenheit zu relativieren. Mich hat die Frage umgetrieben, wie wir als Gesellschaft einen ausgewogenen, wachen Blick auf die Verbrechen der Vergangenheit ziehen können und wie man heute daraus lernen kann. Dabei halte ich es für zentral, Themen nicht isoliert zu betrachten, sondern mehr über Kontexte nachzudenken. Zum Beispiel wie Kolonialismus und Nationalsozialismus zusammenhängen. 

Sie haben an der Schreibwerkstatt „Heimat.Heute“ teilgenommen, die unter der Leitung von Kurt Drawert und Julia Meyer an der SLUB stattfand. Inwiefern hat das Ihr Schreiben am neuen Roman beeinflusst? Würden Sie anderen jungen Autor:innen raten, an einer solchen Schreibwerkstatt teilzunehmen?
Austausch und Gespräche sind immer hilfreich. Es ist toll, andere Schreibende zu treffen und Feedback zu bekommen, zu hören, wie es ihnen geht mit dem Schreiben und auch die Meinung der Dozierenden zu hören. Dennoch sollte man auf keinen Fall aufhören, auf sein eigenes Gefühl zu vertrauen.

Hatte die Schreibwerkstatt konkrete inhaltliche Einflüsse auf Ihren aktuellen Roman?
Durch die Möglichkeit in Dresden zu sein, konnte ich die Stimmung der Stadt, die Farben, die Architektur neu aufsaugen. An der Werkstatt habe ich sehr die Aufgabe „Schreiben an Orten“ genossen, für die wie Teilnehmer:innen uns Plätze in der Stadt gesucht haben, um dort zu schreiben. Das hat auch meine Arbeit an „Iva atmet“ geprägt. Ich würde sagen, dass sich die Werkstatt hauptsächlich in der Atmosphäre des Romans widergespiegelt hat. Da der Roman ja fiktional ist und ich selbst keinen biografischen Dresdenbezug habe, war das besonders wertvoll.

Woran arbeiten Sie gerade? Welche Projekte planen Sie?
Gerade forsche ich zum Thema Arbeit und was diese gerade auch in Pandemiezeiten bedeutet. Ich hoffe, dass daraus ein Theatertext wird. ;-)

"Iva atmet" - Buchvorstellung und Gespräch mit Amanda Lasker-Berlin am 01. Juli 2021 um 18:00 uhr im SLUB TextLab, August-Bebel-Straße 18, 01219 Dresden.
Die Veranstaltung findet bei gutem Wetter im Außenbereich des SLUB TextLab statt, andernfalls im TextLab 3. Bitte informieren Sie sich über unsere Website.

Ihr habt Lust, "Iva atmet" im Vorfeld gemeinsam mit anderen Studierenden zu lesen und euch über den Roman auszutauschen? Dann seid ihr herzlich eingeladen, am Lesekreis von TU Dresden und SLUB teilzunehmen. Der Lesekreis findet am 22. und 29. Juni um 17 Uhr im Garten des SLUB TextLab statt. Weitere Informationen dazu auf der Webseite der TU Dresden. 

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