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Erfolgreich ersteigert: J. A. Silbermanns Tagebuch seiner Reise durch Sachsen 1741

Am 21. Februar 1741 verwirklicht der Straßburger Orgelbauer Johann Andreas Silbermann einen lang gehegten Plan. Er begibt sich – trotz voller Auftragsbücher – auf eine Reise nach Sachsen. Dabei folgt er nicht nur den Spuren seiner Familie, die aus dem Frauensteiner Land stammt, sondern nutzt die Reise zugleich als (Weiter-)Bildungsfahrt. Auch wenn wohl weder von einer Walz – dazu ist Silbermann zu alt – noch von einer "grand tour" – dazu ist Silbermann zu bürgerlich – gesprochen werden kann, die Neugier und Offenheit dem Anderen gegenüber zeigt sich allerorten. Die Reise gehorcht keinem anderen Zweck, als dem, Neues zu erfahren.

 

 

J. A. Silbermann: Anmerckungen derer Auf meiner Sächsischen Reysse gesehenen Merckwürdigkeiten - Mscr.Dresd.App.3091.

 

Silbermann nimmt davon auf und mit, soviel er kann: Sehenswürdigkeiten, Schlösser, Gärten, Kirchen, gesellschaftliches Treiben. Seine Eindrücke dokumentiert er detailreich in seinem Tagebuch. Wo Worte nicht reichen, ergänzt er mit Skizzen, Zeichnungen, eingeklebten Zeitungsberichten und als Souvenirs erstandenen Kupferstichen. Mit feinem Sinn für die Besonderheiten der Orte, die er besucht und großem Interesse dem Unbekannten gegenüber, ohne das Eigene zu verleugnen (etwa wenn er die sächsische Mode mit der elsässischen vergleicht), entsteht durch Silbermanns Beschreibungen ein lebendiges Bild des 18. Jahrhunderts. Silbermann hält sich für längere Zeit in Leipzig, Freiberg, Zittau, Dresden, Wittenberg und Berlin auf – von hier aus unternimmt er Ausflüge in die Umgebung und berichtet über aktuelle wie über vergangene Ereignisse und "Merckwürdigkeiten". Er sammelt Fakten und Anekdoten, notiert vor Ort mit dem Heft in der Hand und vielen Korrekturen oder am Abend in Schönschrift.

 

J. A. Silbermann: Skizzen der Ausstattung eines Saales im Brühlschen Palais - Mscr.Dresd.App.3091.

 

Auch über die gesehenen und gehörten Orgeln äußert sich Silbermann sachverständig. Wenn auch wenig Technisches im Tagebuch festgehalten ist – hierfür verwendet er gesonderte Hefte –, so urteilt Silbermann doch derart eindrücklich, dass dem Leser der Klang der Orgel durchaus vor Ohren zu stehen vermag. Authentisch und von der allgemeinen Meinung unbeeinflusst tritt Silbermann in den Notizen als Kenner auf und zieht den Leser in einen Bann, der die historische Distanz schnell vergessen und ihm unversehens den Magen knurren macht, schlägt er z.B. die Abschrift einer Mittagskarte auf.

 

Im November des vergangenen Jahres ist das Tagebuch bei Sotheby’s zur Auktion gelangt. Dank der großzügigen Förderung der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung und des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst des Freistaates Sachsen konnte dieses außergewöhnliche Dokument des 18. Jahrhunderts von der SLUB erworben werden und steht ab heute der Öffentlichkeit auch digitalisiert zur Verfügung.

 

Wir laden Sie herzlich ein, darin zu blättern und an Silbermanns Eindrücken teilzuhaben. Oder Sie folgen @JASilbermann auf Twitter nachträglich seiner Reise durch Sachsen.

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