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Kulturtransfer mit J. A. Silbermann

Reisetagebuch aus dem 18. Jhr.

Dieser Tage finden die alljährlichen Silbermanntage in Freiberg statt: zehn Tage voller Konzerte, Exkursionen und Wettbewerbsbeiträge rund um Silbermann einläuten, wird damit eines der bedeutendsten Orgelbauer des 18. Jahrhunderts, Gottfried Silbermanns, gedacht. Mit seinem Namen ist in Sachsen vor allem der Klang der großen Orgeln Gottfried Silbermanns verbunden, wie er zum Beispiel im Freiberger Dom zu hören ist.

 

Weniger bekannt dagegen sind hierzulande Gottfrieds Bruder Andreas und sein Neffe Johann Andreas. Andreas Silbermann, der aus dem Frauensteiner Land stammte und sich nach seiner Wanderschaft in Straßburg ansiedelte, nahm seinen jüngeren Bruder Gottfried bei sich als Lehrling auf und bildete ihn zum Orgelmeister heran. Nicht lange dauerte es, bis sich sein Ruf als vorzüglicher Orgelbauer weit verbreitet und für etliche Aufträge gesorgt hatte. In Straßburg lernte unterdessen Andreas‘ Sohn, Johann Andreas, das Orgelbauhandwerk und war bald so geschickt, dass er dem Vater nicht nur zur Hand gehen, sondern nach dessen Tod schon früh die Werkstatt übernehmen konnte.

 

Im Frühjahr 1741 verspürte er den Drang, sich andernorts weiterzubilden und begab sich, nachdem er sein erstes großes Werk, die Straßburger St.-Thomas-Orgel, vollendet hatte, auf eine viermonatige Reise nach Mitteldeutschland. Ziel war Freiberg, die Heimat seines Onkels Gottfried, in dessen Werkstatt Johann Andreas einige Zeit verbringen, Familiäres und Professionelles besprechen, Neues kennen lernen und aus der eigenen Heimat berichten wollte. Angekündigt hatte er sich allerdings nicht und so wusste er bei seiner Ankunft in Freiberg auch nicht, dass sich Gottfried schon seit mehreren Monaten in Zittau aufhielt, um an der dortigen Johanniskirche eine neue Orgel aufzubauen. Johann Andreas folgte ihm jedoch und verbrachte sechs Wochen bei Gottfried, half ihm beim Intonieren der Orgel, bereiste die Gegend und lernte Orgeln, Kollegen, Geschichten und Besonderheiten der Oberlausitz kennen, bevor er sich auf dem – nicht gerade direkten – Rückweg nach Straßburg noch einmal für längere Zeit in Dresden und in Berlin aufhielt.

 

Von den Stationen seiner Reise berichtete er ausführlich in einem Tagebuch, das in den digitalen Sammlungen der SLUB Dresden einsehbar ist. Besonders die Einträge zu Freiberg, Zittau und Dresden sind in ihm so lebendig gestaltet, dass der Leser sofort in den Bann gezogen wird. Silbermanns Interessen galten längst nicht nur Orgeln und Musik, er besuchte so oft es ging Kuriositätenkabinette, Palais oder Kirchen. Auch und besonders Freiberg nahm er mit wachem Geist wahr.

 

Silbermanns Reisetagebuch zeigt einmal mehr die nicht nur musikhistorische Bedeutung der gesamten Familie Silbermann für Freiberg und Sachsen – aber auch die Bedeutung der mitteldeutschen Gegend für die Familie Silbermann. Auch daran erinnern die Silbermanntage.

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