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Wo heute keine Werksirene mehr dröhnt – Geschichten aus Museen, die keine waren

Unter anderen Umständen hätten wir gestern Abend mit einigen Gläsern Sekt auf die Eröffnung der Ausstellung „Dem Ingenieur ist nichts zu schwer“ im Buchmuseum angestoßen und einem interessanten Vortrag gelauscht. Das ist coronabedingt leider nicht möglich, aber wir machen das Beste draus und präsentieren unsere „Industriegeschichten“!

In letzter Zeit wurde nicht nur beim Aufbau der neuen Sonderausstellung in die Hände gespuckt, sondern es tut sich auch wieder was in unserem Veranstaltungsprogramm. Bevor es im September endlich live und vor Ort wieder im Klemperer-Saal losgeht, haben wir zur Einstimmung auf unseren Beitrag zum sächsischen „Jahr der Industriekultur“ ein spannendes Podiumsgespräch aufgezeichnet.

„Industriegeschichten – Reportagen aus Museen, die keine waren“ heißt das Projekt der Filmemacher:innen Cornelia Munzinger-Brandt und David Brandt. Dafür sind sie durch Sachsen gereist und haben mit Menschen gesprochen, deren Betriebe nach 1989 geschlossen wurden und heute Museen sind. Was machte ihre Arbeit vor der Wende aus? Wie haben sie die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüche nach der Wiedervereinigung empfunden – und was bedeutete das für ihr eigenes Leben? Was mit ihrem Arbeitsplatz geschehen? Wie sehen sie die damaligen Entwicklungen rückblickend? Diesen Fragen sind die (Munzinger-)Brandts auf sehr aufmerksame und den Protagonisten gegenüber sehr wertschätzende Weise nachgegangen. Filmische Mittel haben sie bewusst reduziert eingesetzt, um den Fokus auf der jeweiligen Person selbst zu belassen und den Rezipient:innen Raum für eigene Assoziationen zu geben.

Über den Entstehungsprozess der „Industriegeschichten“, ihr Anliegen und ihre Umsetzung hat sich der Kurator unserer neuen Ausstellung, Martin Munke, mit den beiden Filmemacher:innen unterhalten. Aber nicht nur das: Wir haben uns besonders gefreut, dass Gerhard Sonntag, einer der Protagonisten mit einem besonders bewegten Lebenslauf, ebenfalls von seinen persönlichen Erfahrungen aus der Wende- und Nachwendezeit berichtet hat. Gemeinsam sind wir auch der Frage nachgegangen, welchen Stellenwert die Industriekultur heute in Sachsen besitzt. 

Gerhard Sonntag hat als Diplomingenieur für Automatisierungstechnik bis 1998 bei den Heckert-Werken in Chemnitz/früher Karl-Marx-Stadt gearbeitet. Seine Tätigkeit schlägt damit den Bogen zu unserer Ausstellung, in der wir die Geschichte der technischen Bildung in Sachsen vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart beleuchten. Vom Studium für den Einsatz im Maschinenbau im „sächsischen Manchester“ bis zur Spitzenproduktion im Vogtland zeigen wir, wie sich die verschiedenen Bildungseinrichtungen und das Berufsbild des Ingenieurs (und seltener: der Ingenieurin) im Lauf der Zeit entwickelten. Dabei stellen wir uns auch die Frage, ob der Ausbau des Bildungssystems tatsächlich einen so großen Einfluss auf den Fortgang der Industrialisierung hatte wie lange angenommen. 

Wir laden Sie herzlich ein, unsere Veranstaltung als amuse gueule auf „Dem Ingenieur ist nichts zu schwer“ anzuschauen und freuen uns auf Ihre Besuche sowohl in der Ausstellung als auch zu unseren Live-Veranstaltungen ab Herbst!

Hier geht's direkt zu Ausstellungsseite und Pressemitteilung.
Mehr Industriegeschichten finden Sie hier.

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