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Ein musealer Meilenstein – mit Ausblick

14. Januar 2003 - heute vor 20 Jahren erfolgte die Neueröffnung des Buchmuseums am Zelleschen Weg in Dresden!

Wir nutzen die Gelegenheit des Meilensteines unserer musealen Einrichtung und befragen Akteur:innen aus dem Umfeld des Museums.

Buchmuseum im Japanischen Palais, 1935 / © SLUB, Deutsche Fotothek

Buchmuseum im Japanischen Palais, 1935 / © SLUB, Deutsche Fotothek

Zur Vorgeschichte

Kurfürst 'Vater' August von Sachsen (reg. 1553 bis 1586) begann etwa 1556 intensiv Bücher zu sammeln. Besonders im 18. Jahrhundert vervielfachte die kurfürstliche Bibliothek durch weitsichtige Ankäufe ihre Bestände. Schon 1788 wurde die kurfürstliche Bibliothek 'öffentlich'. Wie die Zahl ihrer Leser wuchs auch die ihrer interessierten Besucher, die sich besonders wertvolle oder kuriose Stücke vorlegen ließen. Deshalb wurden ab 1835 die wertvollsten und begehrtesten Stücke, die so genannten Zimelien (darunter auch die Maya-Handschrift, die bis heute dauerhaft der Öffentlichkeit präsentiert wird), in einem separaten Raum unter Glasstürzen gezeigt.

1935 wurde ein Buchmuseum mit gleichzeitigen Dauer- und Wechselausstellungen etabliert. Nach der Fusion der Sächsischen Landesbibliothek mit der Bibliothek der Technischen Universität Dresden zur Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) im Jahre 1996 wurden die Voraussetzungen für einen großzügigen Bibliotheksneubau geschaffen, der von 1998 bis 2002 errichtet und im Januar 2003 feierlich seiner Bestimmung übergeben wurde. Gleichzeitig konnte das Buchmuseum neu eröffnet werden.

In der Schatzkammer des Museums und im diese umgebenden Ausstellungsbereich zeigt die SLUB Fotografien, AV-Medien und kostbare Bücher und Handschriften zu wechselnden buch- und mediengeschichtlichen Themen. Ständig zu sehen ist die wertvolle Maya-Handschrift, welche als Schlüsseldokument für die Entzifferung der Maya-Hieroglyphen und die Erforschung der Astronomie und Zeitrechnung der Maya gilt.

Eröffnung am 14.1.2003

Welche Erinnerungen haben Sie an den 14.1.2003? Welche Emotionen und Anstrengungen waren das kurz vor der Eröffnung des Museums?  

Katrin Nitzschke (ehemalige Leiterin des Museums, SLUB Dresden): „Das war damals für uns Mitarbeiter:innen ein Großereignis! Der neue Ausstellungsbereich erlaubte nun, ganz andere Ausstellungen machen zu können. Die erste Sonderausstellung im neuen Haus mit dem Titel  „Eine Bibliothek - zwei Geschichten“ stellte beide Bibliotheken [Erklärung: die ehemalige Sächsische Landesbibliothek und die ehemalige Bibliothek der Technischen Universität] vor. Zudem präsentierte dieser Ort den Maya-Codex sowie ausgewählte Kostbarkeiten. Das war nach über einem Jahr Schließzeit eine große Erleichterung für alle. Der Zugang zu unseren Schätzen war wieder möglich. Übrigens ging der Auswahl der gezeigten Objekte in der Schatzkammer ein langer Prozess voran. Es hat große Vorteile, wenn der neue Wirkungsort von Beginn an als Museum konzipiert wird.“

Erläuterungen zu der ersten Ausstellung im Buchmuseum – verbunden mit der Frage, ob es einen Ausstellungskatalog gab.

Dr. Thomas Haffner (Abteilung Handschriften, Alte Drucke, Landeskunde): „Die erste Ausstellung mit dem Titel „Eine Bibliothek – zwei Geschichten“ zeigte Quellen zur Geschichte der Sächsischen Landesbibliothek einerseits und der Bibliothek der TU Dresden andererseits. Beide Bibliotheken waren 1995 unter dem Namen Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (kurz: SLUB) per Gesetz institutionell vereinigt worden. Mit Bezug des Neubaus im Laufe des Jahres 2002 wurde die Vereinigung auch räumlich vollzogen.          
Es gab keinen Ausstellungskatalog, leider. Aber einen Online-Katalog, der im „Archiv der Ausstellungen“ zu finden ist. Dort sind auch alle anderen Ausstellungen der vergangenen Jahre gut dokumentiert. Gedruckte Kataloge gab und gibt es aus Kostengründen nur zu wenigen Ausstellungen.“      

Wegbegleiter:innen des Museums

Gästebücher sind ein alter Klassiker in den Museen. Sie geben ungefiltert den Eindruck vom Museumsbesuch wieder. Die Einträge können eine Ausstellung verfluchen, an anderer Stelle erhalten sie überschwängliches Lob. Die Museumsmacher:innen erfahren in den Gästerbüchern nach monatelanger Arbeit, mit welchen Eindrücken das Publikum den Geschichten der Bestände begegnet. Ein spannender wie auch aufschlussreicher Einblick!

Gästebuch des Museums:

„Erste Anlaufstelle für den Besuch: erstmal in die SLUB.“

Ein weiterer Eintrag aus dem Gästebuch:

„Jeden Tag fahren wir hier an der SLUB vorbei. Heute Abend haben wir es endlich geschafft, das Buchmuseum anzusehen.“

Und von welchen persönlichen Begegnungen weiß die ehemalige Leiterin des Museums zu berichten?

Schildern Sie uns eine Anekdote aus den vergangenen 20 Jahren, woran erinnern Sie sich besonders gerne zurück?

Katrin Nitzschke: „Es war immer ein aufregender Moment, wenn Besucher:innen aus Mittelamerika kamen, um den Dresdner Maya-Codex in Augenschein zu nehmen. Das berührte einen, diese Unmittelbarkeit. Diese Begegnungen habe ich in schöner Erinnerung. Trotz Umbauphasen zwischen den Ausstellungen haben wir solche Besuche immer möglich gemacht. Der Besucher:innenandrang 2012 rund um den Maya-Codex und den befürchteten Weltuntergang [Erklärung: Die Wiederkehr des Datums 4 Ajaw 8 Kumk'u nach 13 Bak'tun-Perioden am 21. Dezember 2012 ließ viele Spiritisten und Apokalyptiker aufgrund einer falschen Interpretation einer Inschrift auf einer Maya-Stele aus Tortuguero und der Flutszene im Dresdner Codex einen Weltuntergang befürchten. In Wahrheit ist der Zeitpunkt aber einer Jahrtausendwende in unserem Kulturkreis vergleichbar.] erschlug uns förmlich damals. Teilweise besuchten knapp 80 Teilnehmer:innnen die Sonderführungen. Können Sie sich das vorstellen?          
Zudem gehörte in all den Jahren auch das Wiedererkennen von Museumsbesucher:innen auf Fotografien in Ausstellungen zu den kleinen, aber bedeutungsvollen Momenten meines Museumsalltags.“

Aus dem Museumsalltag: Ausstellungen – Schaufenster der Bibliothek

Was macht für Sie eine gute Ausstellung aus?

Jana Kocourek (Abteilungsleiterin, Abteilung Handschriften, Alte Drucke, Landeskunde, SLUB Dresden): „Aus meiner Sicht, sprich der einer Gelegenheitskuratorin, ist eine Ausstellung gut, wenn sie die Besucherinnen und Besucher mitnimmt auf eine Erkenntnisreise und bestenfalls noch neugieriger macht. Die SLUB mit ihrer langen Geschichte verfügt über einen unglaublichen Schatz an historischen wie modernen Text-, Bild- und Tondokumenten, die in den vergangenen fast fünf Jahrhunderten mehr oder weniger gezielt gesammelt wurden und heute noch werden. Gelungen ist eine Ausstellung dann, wenn sie nicht nur unsere lange Sammeltradition und unsere Verantwortung für das kulturelle Erbe vermittelt, sondern gleichzeitig die Objekte immer neu kontextualisiert, in Beziehung zu unserer Gegenwart und aktuellen Fragestellungen setzt.“

Sie sind erst seit wenigen Monaten an der SLUB Dresden tätig, können Sie uns Ihre Eindrücke vom ersten Besuch des Museums am Zelleschen Weg 18 schildern?

Jan-Luca Albrecht (Wissenschaftlicher Volontär, SLUB Dresden): „Bei meinem ersten Besuch war ich von dem Ambiente des Buchmuseums begeistert und tatsächlich erwartete mich eine Art Zeitreise, denn es fanden zwei Ausstellungen zugleich statt. Während die Fotografien von Ingolf Thiel in schrillen Farben an die Mode und Popkultur der 80er Jahre erinnerten, hielt die Ausstellung zu deutschsprachigen Handschriften faszinierende Exponate des Mittelalters bereit. Ein derartiger Kontrast inspiriert auf ganz eigene Weise!“

Beschreiben Sie den Alltag als Ausstellungsmanagerin am Museum der SLUB Dresden. 

Dr. Karina Iwe: „[lacht] Alles passiert idealerweise im Laufschritt. Man ist eine Art Feuerlöscher. Aber im Ernst. Diese Tätigkeit, die ich seit wenigen Monaten ausübe, verlangt ein gutes Fingerspitzengefühl, ein hohes Maß an Flexibilität und Multitasking zugleich. Gerade putzt man noch die Vitrinen, schon geht es in die Besprechungen mit verschiedenen Ausstellungskurator:innen, im nächsten Moment führt man eine 11. Klasse durch die Schatzkammer, stellt sich den Fragen, im nächsten Moment tüftelt man an einer Umfrage, um das Publikum des Museums und ihre Bedürfnisse besser kennenzulernen. Es handelt sich um eine hohe Kommunikationsstelle, man hat mit vielen Akteur:innen der SLUB zu tun. Ich persönlich schätze besonders die Begegnung mit den Museumsbesucher:innen. Im Kern meiner Arbeit möchte ich begeistern, für die 'reichen' Bestände mit zahlreichen großen und kleinen Geschichten.“

Ausblick: Quo vadis?

Dr. Karina Iwe: „Aktuell können Sie bei uns noch bis zum 25. März 2023 eine Ausstellung zum Fotografen und Tausendsassa Ingolf Thiel besuchen. An dieser kreativen Persönlichkeit kommt man derzeit kaum (in der SLUB) vorbei! In der Schatzkammer tauchen Museumsbesucher:innen hingegen in die leise Welt mittelalterlicher Handschriften ein. Handgeschriebene Texte, reich kolorierte Bücher. Aktuell erlebt man beim Besuch des Museums einen starken Kontrast zweier Kulturthemen. Wir freuen uns, dass wir so ein diverses Publikum begeistern können! Der Maya-Codex ist und bleibt unser großartiges Highlightexponat in der Schatzkammer.     
Wir stecken zudem aber auch schon inmitten der kommenden Ausstellungsplanung. Dieses Jahr zeigen wir eine große Film-Ausstellung, eine Ausstellung zum Thema NS-Raubgut, den Abschluss bildet der Museumsbesuch zum Thema 475 Jahre Staatskapelle. Für jeden Kulturgeschmack ist hier etwas dabei!“

Am Ende wollen wir einen Blick in die Zukunft wagen!

Was sind Ihre Wünsche für das Museum in der Zukunft?

Katrin Nitzschke: „Die Wechselausstellungen werden von den verschiedenen Abteilungen der SLUB gemacht. Sie stehen für eine ungeheure Vielfalt, die auch durch den historischen oder modernen Charakter der Exponate unterstrichen wird. Für mich ist das Museum das 'Schaufenster der Bibliothek'. Man erreicht mit dieser Vielfalt verschiedene Interessenten, den Wissenschaftler ebenso wie den Großvater mit seinem Enkel.Das Museum soll die Besucher:innen nicht überfordern und auch nicht nur für die Nutzer:innen der SLUB da sein. Es soll Lust auf einen Besuch auslösen – auch gerade junge Menschen anziehen. Das sind meine Wünsche für das Museum der SLUB Dresden.“

Prof. Dr. Barbara Wiermann (Abteilungsleiterin Musik und AV-Medien, SLUB Dresden): „Ich wünsche dem Museum und seinen Ausstellungen viele interessierte Besucher:innen, die viele 'Aha'-Effekte und bewegende Momente erleben und durch neue Perspektiven und Fragen bereichert werden. Ich wünsche dem Museum Gestalter:innen, die die Räumlichkeiten zu immer neuem Leben erwecken. Ich wünsche dem Museum Kurator:innen die mit den vielfältigen Beständen der SLUB  immer neue Geschichten erzählen, die Objekte in immer neue und überraschende Beziehungen setzen und so das in Magazinen sicher Verschlossene an die Oberfläche holen und für alle erlebbar machen.  Und natürlich kann man angesichts des Kriegs in Europa nicht dankbar genug sein, dass das durch die SLUB bewahrte Kulturgut wohlbehalten und geschützt ist und ich wünsche dem Museum und uns, dass das lange so bleiben möge – was nicht mehr selbstverständlich scheint.“    

Zum Weiterlesen

Online-Kataloge zu aktuellen und vergangenen Ausstellungen
Lexikon der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, s.v. Buchmuseum, 46-48
Geschichte der Schatzkammer 
Notiz über die Einweihung im SLUB-Kurier, S. 20.

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